Klimaschutz im Sport - Offener Brief an den Deutschen Olympischen Sportbund



Sehr geehrter Herr Dr. Vesper,
als Ingenieur in Bereich Altlastensanierung bin ich von der Sinnhaftigkeit der Agenda 2030 und deren Umsetzung in die Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) überzeugt – obwohl noch vieles zu verbessern/klären ist.
Mit Interesse habe ich die Stellungnahme des DOSB zum Entwurf der (DNS) gelesen. Positiv sehe ich Ihr Angebot, die Idee der Nachhaltigkeit in die Breite der Gesellschaft zu tragen. Das Thema bewegen Sie bereits in mehrfacher Weise auf Ihrer Website, u.a. mit dem Thema „Klimaschutz im Sport“. Im Entwurf der DNS heißt es zum Klimaschutz, Zitat:
Nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC ist ohne einen schnellen und konsequenten
Klimaschutz ein globaler Temperaturanstieg um durchschnittlich 4°C
oder mehr in diesem Jahrhundert wahrscheinlich. Dadurch würde die Gefahr von
abrupten, unumkehrbaren Klimaänderungen steigen und die Möglichkeiten der
Menschen und der Ökosysteme, sich an den Klimawandel anzupassen, sinken.
Gleichzeitig legt der IPCC dar, dass es möglich ist, die Erwärmung auf 2°C gegenüber
dem Niveau vor der Industrialisierung zu beschränken, wenn jetzt und
wirksam gehandelt wird.“
Diese Feststellung galt bereits seit Jahren für die bisherige nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Als Nachhaltigkeitsindikator dienen hier die Treibhausgasemissionen.
Sehr geehrter Herr Dr. Vesper, gestatten sie zwei Fragen:
1. Welche messbaren Leistungen (Reduzierung der Treibhausgasemissionen) hat der DOSB vor dem Hintergrund „Klimaschutz im Sport“ bisher im Rahmen seiner Aktivitäten erzielt?
2. Welche Strategie verfolgt der DOSB, um die von der Bundesregierung angestrebte Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen?

Mit freundlichen Grüßen
Peter Vollmer

Auszüge aus den Stellungnahmen zum Entwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie



 Die folgende Auswahl wird zeitnah erweitert

„Dennoch haben wir erhebliche Kritik an der Strategie und an der deutschen
Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik anzubringen. Der Strategieentwurf ist unseres Erachtens nicht transformativ, sondern belässt die deutsche Nachhaltigkeitspolitik
letztendlich trotz aller Initiativen in ihrer fragmentierten und systemimmanenten Form.“

„ Allerdings sollte eine „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“ deutlich auf solche Themen fokussiert sein, für die die Bundesregierung auch eine konkrete Handlungsverantwortung hat, Sonst droht sie lediglich ein Sammelsurium unbestimmter politischer Absichtserklärungen zu werden und das würde den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht.“

„Die Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist ein große Enttäuschung. Es ist Ihnen nicht gelungen, die Nachhaltigkeitsstrategie substanziell weiterzuentwickeln. Nicht mal die wesentlichen Inhalte der letzten Beschlüsse des Staatsekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung finden sich wieder. Stattdessen sind diese in einem worthülsenreichen Text bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.“

„Die Bundesregierung arbeitet mit dem Nachhaltigkeitsbegriff im Sinne einer Gleichwertigkeit der drei Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Soziales, wenn auch explizit hervorgehoben wird, dass „die planetaren Grenzen unserer Erde die absolute äußere Beschränkung vorgeben.“ Bei dieser, auch „3-Säulen-Modell“ genannten Definition, entstehen natürlich Zielkonflikte. Unseres Erachtens nach verringern sich diese allerdings, wenn man mit dem so genannten „Vorrangmodell der Nachhaltigkeit“ arbeitet. Dieses setzt den Erhalt der ökologischen Grundlagen bzw. deren Grenzen als Rahmen für alles menschliche Handeln. Soziale Standards gelten als nächst definierte Bedingungen für wirtschaftliches Handeln, das sich also ausschließlich an diesen beiden Grundlagen zu orientieren hat. Hinsichtlich der bereits eben genannten planetaren Grenzen unserer Erde ist durch die Politik der Industrieländer zusätzlich deren Orientierung am Wirtschaftswachstum zu überdenken, da genau diese sich im Widerspruch zu eben diesen Grenzen befindet, die in vielen Bereichen bereits überschritten sind.“

Trotz der aktiven Rolle der Bundesregierung in den Verhandlungen der
2030-Agenda, ihrem frühen Bekenntnis zur Umsetzung und Berichterstattung sowie des Umfangs der DNS lässt sich in der Strategie kein sonderlich hohes Ambitionsniveau für die Überwindung der Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten und die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks unserer Gesellschaft entdecken. Um eine wirkliche Strategie zu werden, wie sie von verschiedenen Seiten der Bundesregierung glaubhaft gewünscht wird, braucht die DNS eine deutliche Zukunftsorientierung, die stringent Wege zu mehr Nachhaltigkeit aufführt und große Baustellen deutlich benennt. Die DNS ist hiervon weit entfernt. Auch fehlt ihr in ihrer jetzigen Form eine klare Struktur und Übersichtlichkeit, die für die Kommunikation und Nutzbarkeit notwendig wäre.

Was mir in Ihrem Entwurf zur Nachhaltigkeitsstrategie fehlt, ist der Bereich der Informellen Bildung. Sie beinhaltet mit Abstand die wichtigsten Elemente für Bildung überhaupt. Von Schiller bis Overwien wird darauf hingewiesen. Mit Informeller Bildung sind nicht Außerschulische Lernorte gemeint. Hier wird lediglich Formale Bildung etwas begreiflicher. Lebenslanges Lernen verlangt verlässliche Strukturen, die Raum und Zeit zur Entwicklungund Partizipation (Ivan Illich, Himmelheber) geben. Sie sind Basis für eine Demokratische Transformation von Gesellschaft auf dem Weg zur Erfüllung der SDG.

WBGU  (Beirat der Bundesregierung globale Umweltveränderungen)
Das Konzept der planetarisch Leitplanken…..sollte aus Sicht des WBGU für die Entwicklung einer Strategie zu nachhaltiger Entwicklung von zentraler Bedeutung sein
...und auch bei der Formulierung der einzelnen Teilziele …. eine tragende Rolle spielen…Planetarische Leitplanken begrenzen einen Handlungsraum…..Werden diese Grenzen verletzt, werden langfristig die natürlichen Lebensgrundlagen für menschliche Entwicklung zerstört…..Nachhaltige Entwicklungspfade können daher nur innerhalb des durch Leitplanken Bereichs verlaufen. Planetarische Leitplanken sind
Minimalanforderungen, die im Sinne der nachhaltigen Entwicklung erfüllt werden müssen


Die Bundesregierung hat sich…..vor dem HLPF deutlich für die Desaggregierung von
Datenausgesprochen. Dies ist aus menschenrechtlicher Sicht unabdingbar,… Es ist vor diesem Hintergrund unverständlich, warum der Entwurf die Datendesaggregierung
nicht erwähnt und auch nicht erläutert, wie Entscheidungen zur Aufschlüsselung getroffen werden sollen.

Der Entwurf der neuen Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie enthält bislang weder Zielvorga-ben für 2030 noch ist er mit verbindlichen Zwischenschritten und wirksamen Maßnahmen
unterlegt. Die Zielbestimmung der Indikatoren ist explizit erst in der Schlussfassung vorge-
sehen. Wir wünschen uns, dass sich Deutschland hier ambitionierte, verbindliche Ziele setzt
und für deren ressortübergreifende Umsetzung die erforderlichen personellen Kapazitäten
aufbaut und hinreichende finanzielle Mittel bereitstellt. Bezüglich der noch nicht erreichten
Ziele halten wir eine umfassende Analyse und konsequente Nachbesserungen für erforder-
lich.

„….So sind aus unserer Sicht der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen (SDG 6), der Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, moderner Energie (SDG 7) und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen (SDG 12) Grundvoraussetzung für das Erreichen vieler weiterer Nachhaltigkeitsziele. Die Umsetzung und Erreichung wichtiger Ziele wie beispielsweise der Erhalt der Artenvielfalt und Ökosysteme, Beschäftigung und Innovationen sind davon von ihrer Qualität unmittelbar abhängig……
Mit Blick auf die zunehmende Detektion von Stoffen in der aquatischen Umwelt setzt sich der VKU für die konsequente Umsetzung des Vorsorge- und Verursacherprinzips ein. Maßnahmen müssen zuerst bei dem Verursacher der Emission oder dem jeweiligen Wirkstoff ansetzen.“

„Der Bundesregierung gelingt es leider noch nicht, diese Breite in der Strategie mit ausreichend konkreten Aktivitäten und Indikatoren zu beschreiben. Außerdem fehlt die Perspektive und Expertise junger Menschen in der Beschreibung aktueller Heraus-forderungen (Kapitel A), in der Rahmung der Strategie (Kapitel B) und im Management-konzept (Kapitel C). Jugendliche kommen lediglich als Objekte, nicht als Subjekte und handelnde Akteure vor…..Die im Entwurf der Strategie beschriebenen Aktivitäten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf verkennen, dass ein Ausbau der Betreuungsangebote nicht im Interesse von Kindern und Jugendlichen ist. Der Achte Familienbericht konstatiert: Kinder und Jugendliche wünschen sich in Bezug auf ihre Eltern aktiv miteinander genutzte,
qualitativ hochwertige Zeiten im Familienkreis…..“

„…Wenn die Umsetzung der SDGs seitens der Regierung ernsthaft betrieben werden soll, muss man zudem über die Schaffung beziehungsweise Aufwertung bestehender Institutionen, wie etwa den Nachhaltigkeitsrat oder den Parlamentarischen Rat für nachhaltige Entwicklung nachdenken. Von fundamentaler Bedeutung ist zudem die Festlegung auf anspruchsvolle nationale Indikatoren zur nationalen Umsetzung der SDGs, die zudem in kurzen Zeitabständen und ebenfalls unter breiter Beteiligung der Zivilgesellschaft evaluiert werden müssen….“

„Ernstgemeinte Nachhaltigkeit als gesellschaftliche Leitperspektive zu etablieren, das bedeutet nicht weniger als einen Kulturwandel in unserer bisherigen Denk- und Lebensweise zu vollziehen. Verantwortungslose Produktionsweisen sowie verschwenderische Konsummuster und Lebensstile haben weltweit zu gravierenden ökologischen (überschreiten planetarer Grenzen) und sozialen Schäden (Missachtung von Menschenrechten) und daraus resultierenden Krisen geführt. Dies nachhaltig zu verändern ist nur möglich, wenn die junge Generation und alle Lernenden Zugang zu qualitativ hochwertiger und wirkungsvoller Bildung
für nachhaltige Entwicklung (BNE) erhalten….“

„…Gute Regierungsführung wird in den Partnerländern in den Dimensionen von Menschenrechten, Gleichberechtigung der Geschlechter, Demokratie und politische
Teilhabe, Meinungsfreiheit und Zugang zu Information, Korruptionsbekämpfung, Rechtsstaatlichkeit, Verwaltungsreform, Dezentralisierung, Good Financial Governance und Transparenz im Rohstoffsektor gefördert“. Hier wird also der Zusammenhang mit guter
Regierungsführung herausgestellt. Aber nur wenn die Bundesregierung selbst Defizite beseitigt, kann sie auch von den Partnerländern
Anstrengungen verlangen….“








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„…Nachhaltigkeit ist für die Stahlindustrie von höchster Priorität….Allerdings stellen wir fest, dass die Bedeutung des Recyclings und der Permanenz von Metallen, insbesondere von Stahl, die eng mit der Ressourcenschonung verbunden sind, bisher nicht gewürdigt werden.... In der Nachhaltigkeits- und Umweltpolitik muss ein integrativer Ansatz Eingang finden, der nicht nur die Primärerzeugung und Nutzungsphase sondern vor allem auch die Erfassung, Rückführung und Kreislaufschließung unter dem Ziel der Verlustminimierung mit einbezieht….
…Neben den oben genannten Punkten halten wir es für dringend geboten, die Bezahlbarkeit
der Energie- und Stromversorgung als eigenes Ziel festzulegen….“


„Der zentrale Motor zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen liegt im Zusammenspiel zwischen Staaten, Zivilgesellschaft und Wissenschaft mit unternehmerischer Praxis begründet. Daher ist es von besonderer Bedeutung, dass der entsprechende Beitrag von Unternehmen durch Innovationen, Investitionen und neue Produkte sowie Dienstleis-
tungen national wie international berücksichtigt wird.“


Die Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung sind ohne innovative
Lösungen nicht zu meistern…..Unsere Branche versteht sich ganz klar als Problemlöser und Partner für nachhaltige Entwicklung….In jedem Fall müssen die externen Rahmen-bedingungen für eine zukunftsfähige Industrie stimmen….. Daher fordern wir, in der EU dem Vorsorgeprinzip ein Innovationsprinzip an die Seite zu stellen. Dabei wollen wir das Vorsorgeprinzip weder abschaffen noch schwächen. Wir wollen es ergänzen…..Aber die Unternehmen brauchen auch Akzeptanz und Wertschätzung der Gesellschaft für ihre Innovationen. Gesellschaftliches Misstrauen gegenüber technologischem Fortschritt behindert die Umsetzung von neuen Ideen.“


„…Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Einführung von nachhaltigen Konsummustern und Produktionsweisen und die Bekämpfung von Ungleichheit werden grade an den Lernorten der beruflichen Bildung, den beruflichen Schulen, nachdrücklich und mit hohem Engagement vorangebracht. Leider werden die guten Leistungen in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und der Beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) zu wenig öffentlich und politisch wahrgenommen.


Entwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie - Stellungnahme

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung soll in Deutschland in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie integriert werden. Der Entwurf liegt vor. Die Bundesrepublik fordert die Gesellschaft zu einer Stellungnahme auf. Im Folgende meine Ausführungen dazu:



Einleitung
Die Verständigung der Weltgemeinschaft auf die Agenda 2030 (SDG) ist zu begrüßen. Sie kommt jedoch viel zu spät – hoffentlich nicht zu spät für nachfolgende Generationen. Entscheidend für ein Gelingen ist eine problemorientierte Definition normativer Vorgaben durch die Politik und die Umsetzung erforderlicher Maßnahmen.
Eine Stellungnahme zur Integration der Agenda 2030 in die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie durch eine Einzelperson kann nur unvollkommen gelingen. Allein die Widersprüchlichkeit einiger Indikatoren zu erkennen, erfordert vielfache Fachkenntnis. So beschränken sich die folgenden Ausführungen auf signifikante Punkte, die zeigen, dass es der Politik nicht gelungen ist, den Menschen zu nachhaltigem Verhalten zu motivieren.

Schwachpunkt: Gleichgewicht Ökologie, Ökonomie, Soziales
Der Ansatz des Gleichgewichtes in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zwischen kapitalistischer Ökonomie, Ökologie und Sozialem entspricht nicht den diesbezüglichen inhärenten Gegebenheiten des Systems Erde. Kapitalistische Ökonomie und Soziales können sich nachhaltig nur innerhalb ökologischer/planetarischer Grenzen entwickeln. Diese Grenzen sind bzgl. der Parameter Klimawandel, Biodiversität und Stickstoffkreislauf überschritten. Alle anderen Parameter bewegen sich in Richtung ihrer Grenzen.

Bekanntheitsgrad/Bedeutung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie
Der Bekanntheitsgrad der DNS ist in der Bevölkerung und bei kleineren und mittleren Unternehmen nicht oder lediglich oberflächlich bekannt. Entsprechendes gilt für die Einschätzung der erforderlichen Umsetzung nachhaltigen Handelns. Selbst in Regierung und Parlament ist von erheblichen Defiziten auszugehen. Zwei Beispiele:
·         Zitat Professor Dr. Castellucci (12/2015): „..und wir müssen uns als Parlament das Thema Nachhaltigkeit auch stärker aneignen, als das in der Vergangenheit passiert ist….es ist eher ein Nischendasein als das es wirklich Leitbild und Zentrum von nationaler Politik ist“ und
·         Zitat Dr. Willms(12/015): „..bekommen wir im Beirat immer noch Gesetzentwürfe aus denen klar hervorgeht, dass die Existenz dieser Strategie nicht bis in alle Äste der Regierung durchgedrungen ist. ….Wir müssen die NNS ernstnehmen und mit Leben füllen...“

Komplexität überfordert den „Normalbürger
Für den sogenannten Durchschnittsbürger ist es kaum möglich die Problematik der nachhaltigen Entwicklung (SDGs, deutsche Nachhaltigkeitsstrategie) zu erfassen. Das betrifft sowohl die fachliche Komplexität als auch den erforderlichen Zeitaufwand, der zum Verständnis erforderlich ist (vgl. die unzähligen Veröffentlichungen, Strategien, beteiligte Organisationen usw.).

Dekadenz - Falsche Bildungsinhalte –
Freiheit setzt Verantwortungsfähigkeit voraus.
Das gegenwärtige Verständnis von individueller Freiheit fokussiert auf eine „Recht-auf-Haltung“ zum Nachteil des Gemeinwohlaspektes „Verpflichtung-zu“. Die allgemeine Verantwortungsfähigkeit für freiheitliches Wollen/Handel ist ungenügend entwickelt.
Der Nachhaltigkeitsindex Bildung weist einen positiven Trend zu höherer Bildung auf. Hier handelt es sich offensichtlich lediglich um eine quantitative Steigerung. Die mit dem Indikator Bildung nicht erfassten Bildungsinhalte entsprechen nicht den Anforderungen, die eine nachhaltige Entwicklung benötigt.
Eine auf Freiheit gegründete Gesellschaft sollte die Grenze zwischen Wohlstand und Dekadenz erkennen. Diese Grenze wird in D umfassend überschritten, z.B.: über 50% Übergewichtige und über 20% Fettleibige in D stehen fast 900.000.000 Hungernde in einer globalisierten Welt gegenüber.

Missbrauch, kriminelles Verhalten - Demotivation
Inhalte von Hochglanz-Präsentationen verschiedenster Unternehmen stehen oft im Widerspruch zu deren tatsächlichen Nachhaltigkeitsbeiträgen – man hat das Gefühl des Etikettenschwindels. Bestimmte Machenschaften sind als kriminell zu bezeichnen. Sie gefährden die Gesundheit der Bevölkerungen (Abgasbetrug). Das Verhalten der Politik ist nicht geeignet die Motivation zu nachhaltigem Konsum zu befördern. Einige Beispiel umfassender Demotivationen:
·         Tesla (Gesamtbilanz E-Mobilität)
·         Abgasbetrug mit Wissen von Politikern und Institutionen
·         Nichtnachhaltige Rohstoffgewinnung, Fracking uvm

Bisherige Ergebnisse deutscher Nachhaltigkeitsbemühungen
Politiker und Wirtschaftsmanager heben gerne die Erfolge der Nachhaltigkeit und die deutsche Vorbild- bzw. Führungsposition hervor. Im internationalen Vergleich mag das teilweise stimmen, obwohl es dafür aufgrund fehlender belastbarer Indikatoren keine Nachweise gibt. Auch ist nicht geklärt, ob die deutschen Erfolge nicht zu Lasten anderer Staaten gehen. Hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeits-Indikatoren ist ein Erfolg vor dem Hintergrund des globalen Temperaturanstiegs und dessen aktuellem Trend nicht gegeben. Jahrzehnte galt das Primat der kapitalistischen Ökonomie mit einem unglaublichen Raubbau an den menschlichen Lebensgrundlagen. Als Ergebnis der jahrzehntelangen wissenschaftlichen Aufklärungen, nationalen und internationalen Konferenzaktivitäten, Dialog-Veranstaltungen uswusf. wurden die gröbsten ökologischen Verfehlungen marginal korrigiert. Diese Entwicklung, bei gesteigerten Konsum mit den bekannten Rebound- Effekten, stellt aber keinen Erfolg im Sinne absoluter ökologischer Verbesserungen dar. Vgl. dazu die Entwicklung relevanter Indikatoren:

·         Energieverbrauch private Haushalte: marginale Reduzierung.
·         Treibhausgasemissionen: seit 2009 keine Reduzierungen, ohne zusätzliche Maßnahmen wird das Ziel 2020 nicht erreicht.
·         Artenvielfalt und Landschaftsqualität: seit 2000 keine Verbesserung in der Summe, ohne zusätzliche Maßnahmen wird das Ziel 2030 nicht erreicht.
·         Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche: ohne zusätzliche Maßnahmen wird das Ziel 2030 nicht erreicht.
·         Emissionen von Luftschadstoffen: Stagnation seit 2009, ohne zusätzliche Maßnahmen wird das Ziel 2030 nicht erreicht.
·         Primärenergieverbrauch: Stagnation seit 2009, ohne zusätzliche Maßnahmen wird das Ziel 2030 nicht erreicht
·         Rohstoffentnahme: Anstieg seit 2009, ohne zusätzliche Maßnahmen wird das Ziel 2030 nicht erreicht

Wirtschaft versus Umweltschutz
In Vorträgen, Anhörungen und Stellungnahmen (z.B. Enquete Kommissionen, Rat für nachhaltige Entwicklung, Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklungen, wissenschaftliche Beirat globale Umweltveränderungen, Kirchentagen….) erfährt man die Dringlichkeit des nachhaltigen Handelns. Man erkennt den signifikanten Interessenunterschied zwischen Wirtschaft und Umweltschutz. Die Empfehlungen der Nachhaltigkeitsexperten an die Bundesregierung werden nicht in gebotenem Umfang und problemorientierter Geschwindigkeit umgesetzt. Die wirtschaftlichen Interessen dominieren die Politik – Ergebnis: siehe oben (Indikatoren)

Der Markt versagt - Politik ohne Mut
Politik vermittelt den Eindruck, alles könne bleiben wie es ist – nur nachhaltiger muss es werden. Dieses Signal sendet sie an alle Beteiligten, versehen mit Angela Merkels Hinweis im Vorwort zum Fortschrittsbericht (NNS): „Nachhaltigkeit geht jeden etwas an“. Das sind keine Impulse die eine Transformation unterstützen können. (vgl. dazu oben die Zitate Castellucci und Willms). Politik setzt auf die freiwillige Bereitschaft und Fähigkeit der Gesellschaft, sich in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen. Die Annahme hat sich als Irrtum erwiesen. Politik hat nicht den Mut den vielfachen Forderungen nach normativen Vorgaben zu folgen. In der jetzigen Form ist die Wirkung der Politik auf die Transformation minimal. Beispiel für Marktversagen:
·         Fallende Rohstoffpreise (z.B. Stahl) verhindern die Recyclingfortschritte
·         CO2- Zertifikate sind wirkungslos
·         Hausmüll in Verbrennungsanlagen enthält 50% stofflich verwertbare Materialien. Überkapazitäten der Verbrennungsanlagen führen zu Müllimporten

Große Transformation erfordert neues Denken - suffizienzorientiert
Die ökonomisch geprägte Denklogik der letzten zwei Jahrhunderte hat den Industrieländern einen nie gekannten (Überfluss-)Wohlstand gebracht. Allerdings – das wird seit ca. 40 Jahren immer deutlicher – zu Lasten unserer Lebensgrundlagen. Gegenwärtig wird versucht, mit dieser Denklogik die Transformation zu gestalten: Green Economie. Das erforderliche neue Denken muss in Richtung Suffizienz weisen. Der Begriff wird, im Gegensatz zur Effizienz, von der Politik nur zaghaft bemüht. Vermutlich deshalb, weil Suffizienz mit altem Denken Verlustgefühle provoziert – damit gewinnt man keine Wahlen. Um neues Denken zu entwickeln, muss Politik die Auseinandersetzung mit Suffizienz zu einem qualitativ höheren Wohlstand mit minimalem Ressourcenverbrauch anregen. Suffizienz-Forschungsvorhaben, -ergebnisse, z.B. des Wuppertalinstituts, sollten in die Diskussion Eingang finden (und kostenfrei zur Verfügung stehen).

Empfehlungen, Forderungen
Das kapitalistische Ökonomieverständnis ist zu ersetzen. Das gegenwärtig immer noch praktizierte Wirtschaften durch Verbrauch von Natur muss ersetzt werden durch ein Schützen der Natur in Form einer nachhaltigen Art der Nutzung (Bewirtschaftung). Indikatoren mit Bezug zu den planetarischen Grenzen (Biodiversität, Stickstoffkreislauf, Klimawandel) sind dabei von besonderer Bedeutung. Hier sind längst überfällige wirkungsrelevante Ziele und Maßnahmen zu definieren und umzusetzen. Es hat sich gezeigt, dass der Markt kein Organ zur Wahrnehmung der Risiken hat.
Fachleute unterschiedlicher Institutionen fordern seit langem normative Vorgaben. Politik sollte hier endlich reagieren - zu viel Zeit ist bereits verstrichen. Das Prinzip, es jedem Recht machen zu wollen, wird der Verantwortung der Politik nicht gerecht. 
Vo/30.07.2016